Die Blomberger Stadtgeschichte

"Blomberg de Bloeme" (Blomberg die Blume)

Blomberg, vielfach auch »de Bleome« - die Blume - unter den lippischen Städten genannt, hat sich bis heute ein liebenswertes und unverwechselbares Stadtbild bewahrt. Der ausgezeichnet erhaltene historische Stadtkern der ehemaligen Residenz lippischer Landesherren wurde Jahrzehnte lang behutsam saniert und präsentiert sich heute mit über 250 restaurierten Fachwerkhäusern als eindrucksvolles Geschichtszeugnis. 

Aus der Lennepschen Serie der 27 Kupferstiche von »Lippischen Schlössern, Städten und notablen Örtern«
Aus der Lennepschen Serie der 27 Kupferstiche von »Lippischen Schlössern, Städten und notablen Örtern«

Geschichte der Stadt Blomberg im Überblick

ca. 1250

Gründung der Stadt Blomberg durch Edelherr Bernhard III. zur Lippe (zwischen 1231 und 1255).

Der Name geht auf die „Blume“, die Rose im Wappen der Edelherren zur Lippe, zurück.

Nach Lippstadt (um 1180) und Lemgo (um 1190) gehören die Kleinstädte Horn (um 1240), Blomberg (um 1250) und Detmold (um 1265) zur mittleren Generation lippischer Stadtgründungen; es folgen noch Lemgo-Neustadt (1283) und Salzuflen (1488).

Blomberg liegt strategisch günstig auf einem Bergsporn über dem Diestelbachtal am Schnittpunkt alter Handelswege („Kölnische Straße“ Paderborn – Hameln, heutige B 1; Straße von Herford/Lemgo nach Höxter).

Stadtgrundriss nach lippischem „Dreistraßen-Schema“: Langer und Kurzer Steinweg als Hauptdurchgangsstraßen; Brink (Burgstraße) und Kuhstraße als abzweigende Nebenstraßen.

Die Blomberger Burg ist zeitweilige Residenz der Edelherren zur Lippe. Von der Stadtbefestigung sind das Niedere Tor und Teile der Stadtmauer erhalten. 

 


1447

Fast vollständige Zerstörung von Stadt und Burg Blomberg durch böhmische Söldner des Erzbischofs von Köln im Verlauf der Soester Fehde.

 


1448

Bestätigung des Stadtrechts durch Edelherr Bernhard VII. zur Lippe (älteste Urkunde im Blomberger Stadtarchiv).

 


um 1450

Wiederaufbau nach der Zerstörung; die ältesten erhaltenen Häuser aus dieser Zeit sind Langer Steinweg 20 (Deckenbalken und Dachwerk von 1452) und Neue Torstraße 10 (1450-54, Fassade von 1610; heute im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold).

 


1460

Eine Frau namens Alheyd stiehlt 45 geweihte Hostien aus der Stadtkirche St. Martini und wirft sie aus Angst vor Verfolgung in einen Brunnen, der hinfort als wundertätig gilt.

Alheyd wird für ihre Missetat verbrannt. 

 


1462

Bau einer Kapelle über dem „Wunderbrunnen“; Blomberg wird ein weithin bekannter Wallfahrtsort, wirtschaftlicher Aufschwung.

 


1468

Gründung des Augustinerchorherren-Klosters „Zum Heiligen Leichnam“ in Blomberg und Besetzung mit Mönchen aus Möllenbeck bei Rinteln. Ausbau der Kapelle über dem Brunnen zur spätgotischen Hallenkirche bis 1485 (heutige ev.-ref. Stadtpfarrkirche).

 


1500

In Blomberg wird der einzige jüdische Friedhof in Lippe erwähnt.

 


1511

Tod des Edelherrn Bernhard VII. Er wird mit seiner Gemahlin Anna v. Schaumburg in der Gruft unter der Klosterkirche beigesetzt. Die erhaltene Grabtumba des Münsteraner Bildhauers Henrich Brabender, genannt Beldensnyder, ist die bedeutendste Steinmetzarbeit der Spätgotik in Lippe.

 


1538

Auf dem Landtag in Cappel bei Blomberg wird die Einführung der Reformation in der Grafschaft Lippe beschlossen, Blomberg wird evangelisch-lutherisch.

 


1555

Auflösung des Blomberger Klosters nach der Reformation. Das Klostervermögen fällt an den Landesherrn; in den Klostergebäuden entsteht die Blomberger Lateinschule (Rektorschule).

 


1567

Beginn des Renaissance-Ausbaus der Blomberger Burg: Nordflügel 1567; Ostflügel mit steinerner Auslucht von Hermann Wulff (Lemgo) 1568; Amtshaus 1572.

 


1587

Bau des heutigen Rathauses durch Maurermeister Hans Rade und die Zimmermeister Veit und Henrich Reckamp. Fachwerk-Oberstock mit reicher Spätrenaissance-Dekoration auf steinernem Unterbau.

Zahlreiche Fachwerk-Dielenhäuser des 16. und 17. Jahrhundert erhalten dekorative Fassaden nach dem Vorbild des Rathauses.

 


ca. 1605

„Zweite Reformation“:

Auf Anordnung des Landesherrn, Graf Simon VI., müssen alle Städte und Gemeinden der Grafschaft Lippe das evangelisch-reformierte Bekenntnis (Calvinismus) einführen. Nur Lemgo kann sich erfolgreich widersetzen; Blomberg fügt sich widerwillig.

In der Stadtkirche kommt es zu Handgreiflichkeiten zwischen dem lutherischen Pastor Johann Piderit und dem reformierten Prediger Abraham Theopold.

 


1618 -

1648

Dreißigjähriger Krieg. Schwere Belastungen der Stadt und der umgebenden Dörfer durch Einquartierungen und Plünderungen; Bevölkerungsverluste durch die Pest.

 


1748

Burg und Amt Blomberg fallen nach längerem Erbstreit an die Grafen zu Schaumburg-Lippe in Bückeburg; es kommt zu Konflikten zwischen den Bürgern der Stadt und der bückeburgischen Besatzung auf der Burg.

Das Amt Blomberg fällt 1838 an Lippe-Detmold zurück; die Burg bleibt bis 1962 in bückeburgischem Besitz.

 


1776

Nach der lippischen Volkszählung gibt es in Blomberg eine vielfältige handwerklich-gewerbliche Struktur: 84 Schuhmacher, 30 Zeug- und Raschmacher, 30 Acker- und Fuhrleute, 15 Tischler, 13 Bäcker, 10 Schneider, 8 Leineweber, 7 Schlosser, 6 Schmiede, 3 Gastwirte, 3 Hutmacher, 3 Glaser, 3 Metzger, 3 Chirurgen, 3 Händler, 3 Maurer, 2 Apotheker, 2 Rademacher, 2 Zimmermeister. Dominierende Handwerke sind die Schuhmacher (zeitweilig über 100) und die Stuhltischler, die ihre Produkte bis nach Kassel und Osnabrück exportierten.

 


1808

Bau einer schlichten Fachwerk-Synagoge für die jüdische Gemeinde in Blomberg (erhaltenes Gebäude heute als Stadtarchiv genutzt).

 


1833

Abbruch der Stadtpfarrkirche St. Martini bis auf den Turm; seitdem Nutzung der ehem. Klosterkirche als ev.-ref. Stadtkirche.

 


1863

Bau des ersten Hauses außerhalb der Stadtmauern (Wagenbauer Schwarze, Neue Torstraße 34). Blomberg beginnt, sich über seine mittelalterlichen Mauern hinaus auszudehnen.

 


1864

Beginn der Industrialisierung: Bau einer Dampfkornbrennerei vor der Stadt durch Arnold Theopold.

 


1885

Gründung der ersten Blomberger Stuhlfabrik durch Eduard Krohne. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestehen sechs Stuhlfabriken in Blomberg, die aus traditionellen Tischlereien hervorgegangen waren. Heute existiert keine einzige mehr.

 


1893

Entwicklung der Buchensperrholzplatte durch Bernhard Hausmann; Sperrholzfabrik (ehem. städtische Sägemühle, Dampfsägewerk seit 1878, heute Blomberger Holzindustrie).

 


1897

Am 30.06.1897 wurde die Eisenbahntrecke zwischen dem Abzweig Noltehof und Blomberg unter Anwesenheit des Prinzregenten Adolf von Schaumburg-Lippe eigeweiht.

Bereits am 10.12.1951 wurde der Personenverkehr wieder eigestellt.

Am 11.10.1987 befuhr im Rahmen einer Abschiedsfeier ein letztes mal ein Sonderzug die Strecke. Am Tag darauf begann man mit dem Abbau der Gleise. 

 


1926

Anschluß an die elektrischen Straßenbahn von Paderborn über Horn nach Detmold (Der Streckenabschnitt von Blomberg nach Bad Meinberg wurde bereits 1936 wieder stillgelegt).

 


1937

Die jüdische Familie Königheim wandert unter dem Druck des NS- Regimes nach Argentinien aus. Die letzte jüdische Einwohnerin Emma Lipper, geb. Examus, wird 1940 ins jüdische Altersheim nach Unna gebracht. Von dort wird die über 70-Jährige 1942 ins KZ Theresienstadt und weiter nach Minsk deportiert, wo sie umkommt.

 


1945

Ende des Zweiten Weltkrieges; Blomberg bleibt von Zerstörungen verschont.

 


1970

Großgemeindebildung: Zusammenschluss der Kernstadt mit 18 umgebenden Dörfern zur heutigen Stadt Blomberg. Heute leben in Blomberg etwa 16.000 Menschen, davon etwa 3.300 in der Kernstadt.


 

 

zusammengestellt von Dr. Heinrich Stiewe